Wissenschaft und Kunst

Unsere Wissenschaft hat das Ideal, eine Weltsicht zu entwickeln, die vollkommen objektiv ist, also auch gültig wäre, wenn es gar keine Menschen gäbe. So hat sie sich immer weiter vom lebendig denkenden, fühlenden und wollenden Menschen entfernt. Sie dient ihm zwar äußerlich, läßt ihn aber innerlich weitgehend kalt und entwickelt immer wieder Richtungen, die sich zu einer Bedrohung der menschlichen Existenz auswachsen können.

Die heute anerkannte Kunst lehnt dagegen jede Regel, jede Gesetzmäßigkeit in ihrem Bereich weitgehend ab, und verschieben das Kunstschaffen und Kunsterleben fast vollkommen auf das subjektive, persönliche Gebiet. So wird Kunst immer mehr unverbindlich und willkürlich, und die Anerkennung eines Kunstwerks hängt von Faktoren ab, die nur scheinbar irgendeine Gültigkeit haben.

Mein Bestreben ist eine Durchdringung dieser beiden Gebiete, wobei sie einerseits behalten sollen, was wesentlich und wertvoll in ihnen ist, andererseits ihre heutige Einseitigkeit ablegen sollen, wodurch dann auch das dritte, das religiöse Gebiet, seinen Platz finden kann und eine menschennähere Kultur entsteht. Natürlich kann das nur anfänglich und an konkreten Beispielen gezeigt werden. Dabei muß auch Kritik einfließen, denn durch die Einseitigkeit der Betrachtung sind auch Irrtümer entstanden, die dem erstrebten Fortschritt im Wege stehen.

Die hier vorgestellten Arbeiten gehören nicht alle unmittelbar, aber doch mittelbar als Vorbereitung zu diesem Grundmotiv.

Hermann Bauer

Hermann Bauer

Hermann Bauer ist am 26.10.2015 verstorben.